01.01.2014, 17:07 Uhr

Politik Gysi beklagt im stern hartes Geschäft auf der Polit-Bühne

Im Umgang mit den USA in der NSA-Affäre wirft Linken-Fraktionschef Gregor Gysi der Bundesregierung "Duckmäusertum und Hasenfüßigkeit" vor. "Eine Wertegemeinschaft nützt nichts, wenn man Werteverletzungen nicht deutlich kritisiert." Linken-Fraktionschef Gregor Gysi Foto: © 2013 AFPIm Umgang mit den USA in der NSA-Affäre wirft Linken-Fraktionschef Gregor Gysi der Bundesregierung "Duckmäusertum und Hasenfüßigkeit" vor. "Eine Wertegemeinschaft nützt nichts, wenn man Werteverletzungen nicht deutlich kritisiert." Linken-Fraktionschef Gregor Gysi Foto: © 2013 AFP

Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, hat schwere Kritik am Berliner Politikbetrieb geübt. Dort gebe es "lauter Regeln, die ich nicht akzeptiere".

DEUTSCHLAND Gysi gab auch zu, dass Politik gelegentlich einsam mache. In einem Gespräch mit dem Hamburger Magazin stern antwortete Gysi auf eine entsprechende Frage: "Du stehst in der ersten Reihe, bist bekannt, spielst eine öffentliche Rolle, wirst für das, was du kannst aber nicht bewundert - im Gegensatz zu einem begnadeten Pianisten oder einem Schauspieler. Du fühlst dich auf der Bühne allein gelassen".

Im stern-Gespräch nannte es Gysi "unmöglich", dass ein Politiker wie Finanzminister Wolfgang Schäuble nicht mal eine Woche im Krankenhaus liegen könne, ohne dass die Medien sofort fragten, wann er endlich zurücktrete. Auf die Frage, ob er selbst niemals müde und der ständigen Wiederholungen und Kompromisse nicht überdrüssig sei, antwortete Gysi: "Doch, manchmal schon. Aber das darf ich ja nicht sagen, weil Sie dann gleich eine Schlagzeile daraus machen". Gysi bestritt im stern-Gespräch abhängig von der Politik und süchtig nach Applaus zu sein. "Ich kann ohne sie leben. Ich lasse dann in einem Maße von ihr ab, wie Sie sich das kaum vorstellen können". Sein Rückzug aus der Politik werde "rechtzeitig" sein. "Einmal bin ich zu früh gegangen, 2000 als Fraktionschef. Jetzt will ich nicht zu spät gehen".

Gysi will seine neue Rolle als "Oppositionsführer" dazu nutzen, stärkeren Einfluss auf die gesellschaftliche Stimmung zu nehmen. "Ich hätte gerne die Macht über den Zeitgeist". Nur wenn der sich ändere, ändere sich auch die Politik. "Das ist das Einzige, was Merkel wirklich stört: wenn sie nicht mehr den Zeitgeist repräsentiert". Gysi will dazu künftig stärkeren Kontakt zu außerparlamentarischen Bewegungen wie "Blockupy" aber auch zu den Kirchen suchen.


0 Kommentare