01.01.2012, 20:29 Uhr

Aktuelle Untergangsvisionen stoßen auf große Zweifel 2012: Alternativen zur Apokalypse

Geht mit dem Ende des Maya-Kalenders am 21.12.2012 die Welt unter? Zu den warnenden Stimmen geschäftstüchtiger Apokalyptiker gibt es auch interessante Alternativen.

DRESDEN/WELT Das Jahr 2012 hat gerade erst begonnen, und schon feiern Untergangs-Prophetien neue Hochkonjunktur. Der Tsunami und das Atom-Unglück in Fukushima, die Revolutionen in der arabischen Welt und die Dauer-Krise des Euro schienen 2011 wie Vorboten einer drohenden Apokalypse. Nach der großen Welle von Untergangsszenarien um die Jahrtausendwende im Jahr 2000 steht jetzt der 21.12.2012 wie ein Menetekel für das Ende der Welt. Voraussetzung ist der Glauben, dass eine rund 1300 Jahre alte Inschrift auf einem Stein aus Mexiko stimmt. Danach soll zur Wintersonnenwende in diesem Jahr ein 5125 Jahre umfassender Großzyklus des Maya-Kalenders enden und ein neues Zeitalter beginnen. Die Begründer des Kalenders selbst sind nicht mehr zu befragen: Ihre Hochkultur ging im 10. Jahrhundert nach Christus unter.

Roland Emmerichs Katastrophenfilm „2012“ goss bereits 2009 Öl ins Feuer der Untergangs-Propheten: Meere schwappten in dem Kino-Kassenschlager über das Himalaya-Gebirge und die Erde tat sich auf. Mit seiner pseudowissenschaftlichen Dokumentation „(R)Evolution 2012“ versuchte der selbsternannte Bio-Physiker Dieter Broers im gleichen Jahr, einen Zusammenhang von Sonnenaktivitäten, Veränderung des Erdmagnetfeldes und Bewusstseinswandel der Menschen herzustellen. Mit Vorträgen, Büchern und Videos füllte er große Hallen und vor allem seinen Geldbeutel.

Auf der Internetseite www.weltuntergang-2012.de glauben derzeit nur 24,3 Prozent der Nutzer an der Weltuntergang. 59 Prozent (124.871 Stimmen) sind vom Fortbestand des blauen Planeten überzeugt. Auch die NASA widerspricht auf ihrer Internetseite  Verschwörungstheorien, wonach ein angeblich bereits den Sumerern bekannter Planet Nibiru 2012 mit der Erde kollidieren soll oder ungewohnt starke Sonnenstürme Katastrophen über unseren Planeten hereinbrechen lassen.

Wer Genaueres über die Hintergründe des derzeit vielzitierten Maya-Kalender wissen will, der kann sich vom 24. Februar bis 12. Mai in einer Ausstellung in der sächsichen Landeshauptstadt  "Dresden und die Maya-Handschrift" informieren, wo die prächtigste und am besten konservierte der drei weltweit erhaltenen Handschriften des Maya-Kalenders gezeigt werden. Das Tröstliche: Thomas Bürger, Direktor der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden, wo der Codex ausgestellt wird, erläuterte, dass der Kalender zwar im Dezember ende und ein neuer Zeitzyklus beginne. Das Bild der Apokalypse aber sei deshalb in der Handschrift enthalten, weil die Mayas unter Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hochwasser und Vulkanausbrüchen gelitten udn großen Respekt vor der Natur gehabt hätten. 

Lesenswerte Beiträge über die Kultur der Mayas und den Kalender bieten im übrigen auch Artikel in der Stuttgarter Zeitung, in der Welt,und in BILD.

Nicht uninteressant ist auch die Frage, wie die heutigen Nachfahren der Mayas in Mexiko und Guatemala mit den alten Prophezeiungen und dem angeblichen Ende der Welt umgehen. In dem ganz aktuell ins Kino gekommenen Dokumentarfilm „Herz des Himmels, Herz der Erde“ (hier eine ausführliche Kritik mit Trailer in der Zeit) geben die Filmemacher Frauke Sandig und Eric Black einen tiefen Einblick in eine uns fremde Kultur. Sechs junge Maya lassen uns teilhaben an ihrem Leben, ihrem Alltag, ihren Zeremonien und ihrem Widerstand gegen die Bedrohung ihrer Kultur und Umwelt.

Dem westlichen Objektdenken, das Globalisierung, genmanipulierte Nahrung und Umweltzerstörung als Normalität hinnimmt, begegnen sie mit einer Kosmovision, die das Andere, Mensch, Tier, Natur, nicht als losgelöstes Gegenüber, sondern als Teil des eigenen Seins begreift. Aus dem vielbeschworenen Weltuntergang wird damit ein Appell zu einem tiefen, von Verantwortung und Demut getragenen Bewusstseinswandel, mit dessen Hilfe alle Menschen an der Erschaffung einer neuen Welt mitarbeiten können.


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