12.01.2018, 13:39 Uhr

„Richtigen Ton getroffen“ Neujahrsempfang der Stadt – Regensburg und der Schatten der Ermittlungen


Die Neujahrsansprache des amtierenden Stadtoberhaupts Gertrud Maltz-Schwarzfischer am Freitag, 12. Januar, wurde mit Spannung erwartet. Große Rednerin ist sie nicht – aber sie trifft den Ton.

REGENSBURG Es war keine leidenschaftliche Rede, denn die große Emotion ist ihre Sache nicht. Aber den richtigen Ton treffen, das kann Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Vor allem: Sie bringt es fertig, nicht den Eindruck zu erwecken, als würde sie sich freuen, ohne direkte Wahl faktisch Stadtoberhaupt zu sein.

Beim Neujahrsempfang der Stadt Regensburg im Reichssaal hörten viele Gäste ganz genau hin: Was sagt die SPD-Bürgermeisterin zur aktuellen Situation?

Nun: Sie sprach die eigentlich unfassbare Situation ganz direkt an. Wörtlich sagte sie: „Oberbürgermeister Joachim Wolbergs würde heute nichts lieber tun, als Sie alle im Namen der Stadt zu begrüßen.“ Da war er dann ausgesprochen, der Skandal, der nach wie vor wie ein Schleier über dem politischen Regensburg liegt. „Mich hat diese Affäre genauso erschreckt und erschüttert wie wohl jede und jeden von Ihnen“, so die Bürgermeisterin. Viele Bürger nehmen Anteil „an der menschlichen Seite dieses Falles, die auch mich sehr berührten“. Dann folgte das, was Besucher dieses Empfangs schon seit vielen Jahren hören: Regensburg steht unfassbar gut da. Aber hat da jeder was davon? Maltz-Schwarzfischer trug ruhig vor, woran es hakt - dass auch Menschen mit nicht so üppigem Einkommen Probleme haben, die Miete noch zu bezahlen. Der Stadtbau-Chef Joachim Becker, der in der letzten Reihe stand, spitzte da die Ohren: Er müsste ja eigentlich Teil der Lösung und nicht des Problems sein. Und auch die wenigen Vertreter der Baubranche, die im Raum standen, hörten genau hin - wenn 20 Prozent Sozialquote bei Bauprojekten verpflichtend nicht ausreichen könnten, müsse man eben eins drauflegen. Das schmälert die Renditen, möglicherweise macht es auch Kauf-Immobilien noch teurer.

Sozialdemokratin und Sozialbürgermeisterin ist Maltz-Schwarzfischer durch und durch. Das merkt man auch, wenn sie arme Rentner, Obdachlose, Jugendliche mit Problemen und Flüchtlinge gleichermaßen anspricht. Das ist die Schattenseite der „Boomtown Regensburg“. Kurzum: Eine große Rednerin wird Maltz-Schwarzfischer zwar nie, aber sie trifft die richtigen Töne. Das Interesse an ihr, den Geschicken der schönsten Stadt Deutschlands und letztlich auch an der Zukunft Regensburgs war groß. Man wird sehen, wohin ihr Weg – und der der Stadt – führt.


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