01.01.2011, 15:58 Uhr

Wegschauen gilt nicht mehr!

Foto: StaudingerFoto: Staudinger

Ein Mitarbeiter einer Disko lässt einen Luftschacht offen, eine 27jährige stürzt ab und verletzt sich schwer. Es wird weiter gefeiert. Sind wir denn alle noch ganz dicht?

REGENSBURG Silvester ist für empfindliche Menschen, für Kinder, Senioren und auch für Haustiere alles andere als ein Fest. Im Gegenteil: Der Lärm, die Böller, der Gestank, die Betrunkenen – für viele ist Silvester kein Grund zum Feiern.

Wer am Silvestertag durch die Straßen zieht, der merkt schnell, was Alkohol aus den Menschen macht. Am Arnulfsplatz beispielsweise wartete ich am Abend auf den Bus, der mich zur Silvester-Party mit Fondue und netter Freundesrunde bringen sollte. Den Ticket-Automat hat die RVV versiegelt: „Wegen Vandalismus“, stand auf einem Schild.

Wie unangenehm Vandalismus ist, machte eine Horde pubertärer Jugendlicher schnell klar: Einer der Pickelgesichter zündete eine Rakete und schoss sie nicht in die Höhe, sondern auf den Kneitinger. Solche Vollpfosten begegnen einem leider häufig als lärmgeplagter Anwohner in den Feiernächten. Besonders ärgerlich ist: Es sind immer nur ein paar wenige, die Krawall machen.

Dass für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst die Feiertage und vor allem Silvester kein Zuckerschlecken sind, ist ja hinlänglich bekannt. Danke an dieser Stelle an alle, die für unser aller Sicherheit eintreten und oft auch ihr Leben aufs Spiel setzen. An Silvester brannte ein Haus in Bernhardswald ab, fünf Menschen waren in Gefahr, die Feuerwehr hat sie gerettet. In Regensburg brannte eine Tiefgarage lichterloh, der Schaden beträgt 300.000 Euro. Und dann geschah wieder ein tragisches Unglück: Wohl aus Unachtsamkeit hat ein Mitarbeiter einer Diskothek einen Lüftungsschacht offen gelassen. Eine 27jährige stürzte fünf Meter in die Tiefe. Sie ist schwer verletzt und liegt im Krankenhaus.

Der Sanka kam, die Frau wurde versorgt. Doch die Party ging weiter. Warum nur?

Geldgier, das wirft man nun den Veranstaltern vor. Doch alle, die in der Gastronomie bereits gearbeitet haben, wissen, dass es um 4 Uhr morgens an Silvester kaum mehr Umsatz zu machen gibt. Die Leute sind voll bis zum Rand. Genau das aber dürfte das Problem sein: Um die angetrunkenen und damit auch mitunter aggressiven Gäste nicht zu verärgern, ließ man weiter feiern. Eine zynische Szene: Ein Mensch wird von der Feuerwehr aus einem Schacht befreit, er schwebt in Lebensgefahr – doch die Party-Gäste wollen sich nicht ablenken lassen. Sie saufen, tanzen, schnattern weiter. Mein Gott, was ist da nur los?

Der Neujahrstag ist stets ein guter Zeitpunkt, um sich Gedanken zu machen über sich und die Gesellschaft, in der wir leben. Für mich steht fest: Ich will rücksichtsvoller sein in diesem Jahr. Ich will nicht zum Zyniker werden und das Schicksal anderer durch ein Milchglas betrachten – es geht mich an, wenn es anderen schlecht geht. Es geht mich an, wenn andere sich verletzen. Es geht mich an, wenn das Klima in unserer Gesellschaft rauer wird.

Mein Vorsatz für kommendes Jahr lautet: Nicht wegschauen. Nicht weitertanzen. Nicht einer jener sein, die sich um andere einen Dreck scheren.

Ein gutes neues Jahr 2011. Und schauen Sie hin! 


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