01.01.2013, 20:44 Uhr

Drei Ärzte wurden von ihren Aufgaben entbunden: Uniklinik Leipzig bestätigt Manipulationen bei Organtransplantationen

Das Universitätsklinikum in Leipzig hat Medienberichte bestätigt, dass es auch am dortigen Transplantationszentrum zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

REGENSBURG/LEIPZIG Nach Angaben der Uniklinik sollen die Meldungen an Eurotransplantz manipuliert worden sein, sodass die entsprechenden Patienten in einer höheren Dringlichkeitsstufe für eine Transplantation geführt wurden. Der Direktor der Klinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie sowie zwei Oberärzte seien mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden worden, so die Uniklinik. Die Unregelmäßigkeiten wurden bei einer Innenrevision der Uniklinik entdeckt.

Nach Göttingen und Regensburg ist die Klinik in Leipzig bereits die dritte Uniklinik, an der es im Transplantationszentrum Unregelmäßigkeikten gegeben hat. Alles weitere dazu ist unter www.regensburg.de/organskandal. abrufbar.

Wir dokumentieren die Pressemeldung der Universitätsklinik Leipzig im Wortlaut:

Vor dem Hintergrund der im Jahr 2012 bekannt gewordenen Regelverstöße an deutschen Universitätsklinika bei der Meldung von Patienten zur Lebertransplantation hat der Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig am 27. Juli 2012 die Innenrevision beauftragt, die Strukturen und Prozesse zur Meldung von Kandidaten zur Lebertransplantation bei Eurotransplant sowie die Führung der gelisteten Patienten bis zum Zeitpunkt der Transplantation ebenso kritisch zu prüfen wie sämtliche Meldevorgänge an Eurotransplant bei allen seit 1. Januar 2007 am Transplantationszentrum Leipzig lebertransplantierten Patienten. Die detaillierte Einzelprüfung der Meldevorgänge bis zum Transplantationszeitpunkt bei den insgesamt 363 in den Jahren 2007 – 2011 lebertransplantierten Patienten und den Patienten des Jahres 2012 (bis 30. November 2012 insgesamt 59) ist noch nicht komplett abgeschlossen.

Gleichzeitig prüfen die Prüfungskommission und die Überwachungskommission von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband die Einhaltung der Transplantationsrichtlinien in allen deutschen Transplantationszentren. Eine am 10. Dezember 2012 begonnene Stichprobenprüfung der in den Jahren 2010 und 2011 am UKL lebertransplantierten Patienten ergab Hinweise auf Dokumentationsmängel und Regelverstöße insbesondere bei der Angabe von Nierenersatzverfahren. Diese externe Untersuchung wird im Januar 2013 fortgesetzt werden.

Der Klinikumsvorstand hat nach Bekanntwerden dieser Mängel am 13. Dezember 2012 die Innenrevision durch vier erfahrene Fachärzte, die weder der Transplantationschirurgie noch der Hepatologie angehören, verstärkt, um die begonnene Einzelfallprüfung 2007 bis 2011 zu beschleunigen und auch die im Jahr 2012 transplantierten Patienten in die Prüfung einzubeziehen. Das vorläufige Ergebnis dieser internen Prüfung hat aktuell ergeben, dass in den Jahren 2010 und 2011 bei der Meldung von Wartelistenpatienten an Eurotransplant fälschlicherweise Nierenersatzverfahren angegeben worden waren. Für eine erhebliche Zahl von Patienten, bei denen ein Nierenersatzverfahren an Eurotransplant gemeldet wurde, konnte die tatsächliche Durchführung dieser Therapie von den verantwortlichen Transplantationschirurgen nicht nachgewiesen werden. Diese Falschangaben haben für den einzelnen Patienten zu einer Erhöhung des Punktwerts des sogenannten MELD-Scores und damit zu einer Erhöhung der Priorität auf der Warteliste bei Eurotransplant geführt. Bei den Patienten des Jahres 2012 wurde eine solche Falschangabe bei einem von zehn Patienten mit der Angabe Dialyse festgestellt, hingegen bei keinem Patienten der Jahre 2007 bis 2009.

Auf der Grundlage dieses am 28. Dezember 2012 gesichert vorliegenden Untersuchungsergebnisses hat der Klinikumsvorstand den verantwortlichen Direktor der Klinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie sowie zwei Oberärzte mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben in der Krankenversorgung entbunden. Die Leitung des Transplantationsprogramms wurde auf einen sehr erfahrenen Oberarzt der Klinik übertragen.


0 Kommentare