01.01.2012, 14:12 Uhr

Borkenkäfer-Bekämpfung Ende des Nationalparks Sumava?

MdL Eike Hallitzky (Die Grünen) macht sich Sorgen um die Zukunft des Nationalpark Sumava an der bayerisch-tschechischen Grenze, weil die dortige Nationalpark-Führung vom Konzept "Natur Natur sein lassen" abkehre und flächendeckend - auch in den Kernzonen - eine Borkenkäferbekämpfung ermöglichen will

PASSAU, REGEN, PILSEN Seit im vergangenen Jahr der benachbarte Nationalpark Sumava in Tschechien (er grenzt direkt an den Nationalpark Bayerischer Wald an) eine neue Führung hat, wird dort eine teils radikale Abkehr vom Nationalparkkonzept betrieben. Während im Bayerischen Wald nach wie vor die Devise „Natur Natur sein lassen" gilt, soll es im benachbarten Park radikale Einschläge von Fichten in den Naturzonen geben, um gegen den Borkenkäfer vorzugehen. Der Pilsner Bezirk hat nun einen Gesetzentwurf für ein neues Nationalparkgesetz eingereicht, der zur Borkenkäferbekämpfung selbst in den Naturzonen zeitlich und räumlich begrenzte Eingriffe erlauben würde. Eigentlich sollte die 1. Lesung im tschechischen Parlament bereits am 13.12.2011 stattfinden. Der Termin wurde aber mittlerweile auf Ende Januar 2012 verschoben.

Für MdL Eike Hallitzky (Die Grünen) die vielleicht letzte Gelegenheit, noch einmal für den Erhalt des Nationalpark-Konzeptes auch auf tschechischer Seite zu kämpfen. “Andernfalls wäre das „Grüne Dach Europas“ und die bisher erfolgreiche bayerisch-tschechische Zusammenarbeit zum Schutz des ungestörten Ablaufs der natürlichen Prozesse in den Naturzonen bedroht. Diese geplante Änderung der Tschechischen Nationalparkgesetzgebung wäre zudem nicht mit den ICUN – Nationalparkkriterien zu vereinbaren", so Hallitzky in einem Brief an den Bayerischen Umweltminister Dr. Marcel Huber.

Während in der Vergangenheit die beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Sumava über die Grenze hinweg eng zusammen gearbeitet haben, soll sich dies offensichtlich künftig ändern, befürchtet Hallitzky. Anlass zur Sorge gibt ihm auch ein Interview des stellvertretenden Leiters des Sumava-Nationalparks, Jiri Manek, in der tschechischen Zeitung Právo: Demnach betonte Manek darin deutlich die Abgrenzung vom bayerischen Nachbar-Nationalpark. Damit wäre das gemeinsame Memorandum der beiden Nationalparke aus dem Jahr 2005 hinfällig, in dem sie sich für eine enge Zusammenarbeit ausgesprochen hatten.

Hallitzky hofft auf Unterstützung der bayerischen Staatsregierung, die Druck auf die tschechische Regierung machen solle  - vor allem auch, weil beispielsweise die Gemeinde Prasily, als größte Nationalparkgemeinde in Sumava, weiter am Konzept „Natur Natur sein lassen" festhalten wolle. Hallitzky wendet sich direkt an Huber: "Da die Zeit drängt, bitte ich Sie daher dringend, sich bei der tschechischen Regierung umgehend dafür einzusetzen, dass Eingriffe in die Naturzonen auch weiterhin untersagt bleiben. Das gemeinsame Ziel der Ausweitung der Naturzonen mit ungestörter Entwicklung der Waldökosysteme auf beiden Seiten der Grenze darf nicht aufgegeben werden. Sonst wäre auch die weitere Entwicklung des angrenzenden Nationalparks Bayerischer Wald in großer Gefahr, was auch für die grenzüberschreitende Touristik einen gravierenden Einschnitt darstellen müsste."

Der Vorsitzende des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag, Dr. Christian Magerl, plant unterdessen für das Frühjahr eine Delegationsreise nach Prag, wo es neben dem AKW Temelin vor allem um die Zukunft der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Sumava gehen wird.


0 Kommentare