07.07.2020, 14:31 Uhr

Schilddrüse Kleines Organ mit großer Wirkung – Vernünftig handeln trotz Corona

Chefarzt Dr. Florian Stadler. Foto: Franz Bauer/PantografieChefarzt Dr. Florian Stadler. Foto: Franz Bauer/Pantografie

Viele Patienten scheuen sich weiterhin aus Angst vor einer COVID-19-Infektion, Arztpraxen oder Krankenhäuser aufzusuchen. Das kann ernsthafte Folgen haben und dies gilt nicht nur im Falle von Krebs- oder Herzerkrankungen. Denn auch wenn die Funktionalität eines „kleinen Organs“ wie der Schilddrüse gestört ist, sind die Auswirkungen oft extrem.

Landkreis Cham. „Die Gesichter der Schilddrüsenerkrankung sind vielfältig mit unterschiedlichen Symptomen, bedürfen aber auf jeden Fall einer Behandlung, damit der Patient wieder an Lebensqualität gewinnt“, betont Dr. Florian Stadler, Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie an den Sana-Kliniken des Landkreises Cham. „Aufgrund der aktuellen Pandemie haben Arztpraxen oder Krankenhäuser auch umfängliche hygienische Schutzmaßnahmen etabliert, damit Patienten hierzu vertrauensvoll einen medizinischen Rat einholen können.“

Die Schilddrüse ist nicht größer als eine Walnuss, aber eine der wichtigsten Drüsen in unserem Körper. Das schmetterlingsförmig angeordnete Organ ist in der Halsregion unterhalb des Kehlkopfes zu finden und hat wesentliche Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Wichtigste Aufgaben der Schilddrüse sind neben der Jodspeicherung die Produktion der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Insbesondere mit dem Hormon Trijodthyronin treibt die Schilddrüse den gesamten Stoffwechsel an. Gibt sie zu wenig von diesem Botenstoff ab, spricht man von einer Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose). Produziert sie zu viel, kommt es zu einer Überfunktion (Hyperthyreose). Nach derzeitigen Schätzungen leidet etwa jeder vierte Deutsche unter einer krankhaften Vergrößerung der Schilddrüse. Ab dem 45. Lebensjahr ist sogar jeder Zweite betroffen; Frauen in der Regel stärker als Männer. Damit sind Schilddrüsenerkrankungen sehr verbreitet und gelten sogar als Volkskrankheit.

„Patienten leiden mitunter enorm, wenn eine Störung der Schilddrüsenfunktion vorliegt“, so Dr. Stadler. Denn viele verschiedene Körperfunktionen geraten dabei völlig aus dem Gleichgewicht. „Bei einer leichten Unterfunktion zum Beispiel ist man oft kälteempfindlich, antriebslos und nimmt zu, obwohl man nicht mehr isst als sonst. Bei einer Überfunktion hingegen läuft der Körper ständig auf Hochtouren, man ist unruhig, schläft schlecht, verliert Gewicht und schwitzt viel“, erklärt der Mediziner. Dennoch wird nur etwa jede vierte Erkrankung rechtzeitig erkannt. „Denn bis auf den allseits bekannten Kropf gibt es leider zumeist keine eindeutigen Zeichen, die auf eine Erkrankung der Schilddrüse hinweisen“, ergänzt Dr. Stadler, der auch weiß, dass Laien die vielfältigen Symptome oft falsch deuten oder bagatellisieren.

Dabei lassen sich Störungen der Schilddrüsenfunktion oft relativ einfach nachweisen. Am Anfang steht dabei immer ein intensives Gespräch mit dem Patienten sowie eine Laboruntersuchung des Blutes, anhand derer festgestellt werden kann, ob die Schilddrüse richtig funktioniert. Der nächste Schritt ist dann häufig eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse sowie – falls dies nicht ausreicht – eine sonographische Untersuchung des Organs (Szintigraphie). Eine einfache Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann man in der Regel gut mit Medikamenten behandeln. Komplizierter gestaltet es sich bei einer Autoimmunerkrankung wie dem Hashimoto-Syndrom. „In diesem Fall bildet das Immunsystem Antikörper gegen die eigene Schilddrüse und ruft damit eine Unterfunktion hervor“, erläutert Dr. Stadler. Eine lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen sei in diesem Fall unumgänglich.

In manchen Fällen reicht eine Hormonbehandlung allerdings nicht aus. Die Lösung liegt dann in einer Operation. Die operative Entfernung von krankhaften Schilddrüsengewebeveränderungen ist für viele Formen der Erkrankung die effektivste und beste Behandlung. „Eine Operation ist im Prinzip immer dann empfehlenswert, wenn es durch eine Vergrößerung oder Knotenbildung zu Beschwerden kommt“, betont Dr. Stadler. Er verweist aber darauf, dass die optimale und auf den Patienten abgestimmte Therapie immer auch gemeinsam zwischen Nuklarmediziner, Internisten und Chirurgen besprochen wird. An den Sana-Kliniken des Landkreises Cham wird die Schilddrüsenoperation nach den aktuellen Leitlinien durchgeführt. Während des Eingriffs wird die Funktion des Stimmbandnervs durch das sogenannte Neuromonitoring überwacht. „Damit schließen wir eine Nervenverletzung aus“, so Dr. Stadler. Darüber hinaus kommen Lupenbrille und die Durchführung einer Schnellschnittuntersuchung bei allen Schilddrüsenoperationen routinemäßig zum Einsatz. Dr. Stadler: „Im Zusammenspiel all dieser Methoden können wir die größtmögliche Patientensicherheit während der Operation gewährleisten und schon nach wenigen Tagen kann der Patient das Krankenhaus wieder verlassen“.


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