11.02.2019, 12:32 Uhr

Wuppertal im Fokus Streit um Bonobo „Bili“ – fieses Mobbing im Zoo oder normales Verhalten der Tiere?

Bonobo „Bili“ im Wuppertaler Zoo. (Foto: Stadt Wuppertal)Bonobo „Bili“ im Wuppertaler Zoo. (Foto: Stadt Wuppertal)

Bonobo-Männchen „Bili“ hat gerade in Wuppertal kein einfaches Leben. Seit November 2018 lebt das Tier im dortigen Zoo – „auf Empfehlung der Spezialistengruppe des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes nach Wuppertal, nachdem er nach Erreichen seiner Geschlechtsreife nicht länger in der Bonobogruppe des Frankfurter Zoos bleiben konnte“, so der Zoo in einer Pressemitteilung. Nun aber kommt es zu erheblichen Problemen, sodass sich Tierschützer bereits zu einer „Free ,Bili‘“-Bewegung zusammengeschlossen haben.

WUPPERTAL Bei männlichen Bonobos, so der Zoo weiter, könne die Eingewöhnung problematisch sein, so war es auch bei „Bili“, der „aufgrund arttypischer Aggressionen einige Verletzungen erdulden“ musste. „Diese führten zu massiven Vorwürfen gegen den Zoo, denen allerdings in aller Deutlichkeit widersprochen werden muss. Die vor allem in den sozialen Netzwerken sehr emotional und wenig sachlich geführte Auseinandersetzung ist dabei leider auch von groben Beleidigungen und sogar Drohungen geprägt“, schildert der Zoo, was in den vergangenen Tagen abgelaufen ist. Die „Forderung, die Eingewöhnung von Bili abzubrechen und ihn in eine andere Einrichtung ohne Bonobos zu geben“, deute auf einen „erheblichen Mangel an Sachkenntnis“ hin. Sollte „BIli“ in eine anderen Einrichtung ohne weitere Bonobos komme, werden ihm die Chance genommen, „sich in einer stabilen sozialen Gruppe einzugewöhnen“. „Bili“ müsste dann sein Leben in sozialer Isolation verbringen. „Möglicherweise ist vielen Diskussionsteilnehmern nicht bewusst, dass eine solche Maßnahme keineswegs das Wohlergehen des Tieres steigern, sondern im Gegenteil nachhaltig negativ beeinflussen würde und insofern auch nicht tierschutzgerecht wäre“, so der Zoo weiter. Gerade für Bonobos sei es sehr wichtig, „mit einem komplexen Sozialsystem“ leben zu können.

Durch Langzeitbeobachtungen mit Hilfe von Kameras habe man nun „in der vergangenen Woche zahlreiche positive Sozialkontakte zwischen ,Bili‘ und anderen Gruppenmitgliedern“, beobachten können. Weiterhin gebe es aber auch die arttypischen innerartlichen Aggressionen, die sich dann vor allem gegen das neue Tier in der Gruppe richten. So kam es am Mittwoch, 6. Februar, zu Verletzungen. „An der Einschätzung des Grünen Zoos und der Spezialisten des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes sowie anderer zoologischer Einrichtung mit Erfahrung im Umgang mit Bonobos hat sich auch nach der Attacke nichts geändert“, teilt der Zoo mit. „Bili“ bekomme nun Auszeiten, in denen er zusammen mit anderen Mitgliedern der Bonobo-Gruppe vom Rest der Gruppe getrennt wird. „Diese Abtrennungen werden in unterschiedlichen Konstellationen durchgeführt, sodass sich die sozialen Verbindungen zwischen den Tieren verstärken können. Daneben bieten sie dem Bonobo-Mann die Gelegenheit, sich zeitweilig aus der Gruppe zurückziehen zu können, wie es ein Bonobo im Freiland ebenfalls vorübergehend tun könnte.“

Fachleute überwachen nun weiterhin, wie sich „BIli“ in die Gruppe integriert und wie seine Artgenossen mit ihm als neuem Mitglied der Gruppe umgehen. Das aber ist den Tierschützern nicht genug, sie verlangen weiterhin, dass „Bili“ anderweitig untergebracht wird. Am Sonntag, 10. fFebruar, demonstrierten rund 200 Personen vor dem Wuppertaler Zoo und forderten Freiheit für „Bili“.

Ein Video, das bei Youtube hochgeladen wurde, zeigt den verletzten „Bili“


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