21.10.2020, 06:45 Uhr

Diabetes-Warnhund soll Landshuter helfen „Ich habe Angst, dass ich morgens nicht mehr aufwache“


Roland Krüger aus Landshut ist schwer zuckerkrank. Ein speziell geschulter Hund könnte eines Tages sein Leben retten. Doch für einen solchen „Diabetes-Warnhund“ fehlt Roland Krüger das Geld.

Landshut. Die Zeiten sind hart für Roland Krüger. Vor Kurzem erst hat der gelernte Bäcker seinen Job verloren. Neben der ungewissen beruflichen Zukunft quält den 30-Jährigen die Sorge um seine Gesundheit.

Roland Krüger ist Diabetiker. Er sagt: „Ich habe Angst, dass ich einschlafe – und nicht wieder aufwache.“ Ein speziell ausgebildeter Hund könnte ihm helfen, eines Tages vielleicht sogar sein Leben retten. Doch die Kosten kann der junge Mann aus Landshut nicht aufbringen. Vor 13 Jahren, als Teenager, bekam Roland Krüger die Diagnose: Diabetes Typ 1. Sein Leben änderte sich schlagartig. Mehrfach täglich muss er Insulin spritzen, um seinen Blutzuckerspiegel auf einem unbedenklichen Wert zu halten.

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„Man muss die Krankheit hinnehmen“, sagt der 30-Jährige. Dennoch, die schwere Stoffwechselstörung hat in seinem Körper schon schwere Schäden angerichtet. Schilddrüse und Nebennieren sind angegriffen, auch seine Sehkraft hat gelitten.

Immer dann, wenn Roland Krügers Blutwerte verrückt spielen, verschlechtert sich sein Körperlicher Zustand rapide. „Bei Unterzucker habe ich Schweißausbrüche und beginne zu zittern“, erzählt er. Bei Überzucker sind es Schwindelattacken, Übelkeit, Brechreiz. Sogar das Bewusstsein hat er schon verloren.

In solchen Notsituationen zählt jede Sekunde. Es besteht Lebensgefahr! Insulin oder die rasche Aufnahme zuckerreicher Lebensmittel, Süßigkeiten oder Cola können den Blutwert zurück in den Normalbereich bringen.

Über einen Sensor am Oberarm kann der 30-Jährige seinen Blutzuckerspiegel kontrollieren. Nicht immer jedoch wird ein bedrohliches Niveau rechtzeitig erkannt. Vor allem im Schlaf, so erzählt er, kann es zu gravierenden Komplikationen kommen. Neulich erst: Da war es Lebensgefährtin Jennifer, die mitten in der Nacht aufschreckte, weil Roland plötzlich unter heftigen Schweißausbrüchen litt. Sie weckte Roland – und verhinderte so Schlimmeres. Dieses Mal.

„Ich will noch länger leben“, sagt der 30-Jährige leise. Seine Hoffnung setzt er auf das Ausbildungszentrum „Gut Paulshof“ in Nordrhein-Westfalen. Im Internet ist er auf die Einrichtung gestoßen. Sie bedeutet neue Hoffnung für viele Zuckerkranke. Diabetiker-Assistenzhunde werden dort geschult.

Die Vierbeiner (bevorzugte Rassen: Collie, Pudel, Havaneser, Doodle) haben eine besondere Gabe: Sie signalisieren frühzeitig, bereits vor den ersten Symptomen, wenn sich der Blutzuckerspiegel von Herrchen oder Frauchen verändert.

Auch können die „Service Dogs“ Diabetikern im Alltag und in der Bewältigung einer akuten Notlage unterstützen. Bis zu zwei Jahre dauert die Ausbildung. Die Kosten sind allerdings erheblich, liegen bei 20 bis 25.000 Euro. Eine immense Summe, die Roland Krüger, der derzeit arbeitssuchend ist, nicht aufbringen kann. „Und die Krankenkasse übernimmt keinen einzigen Cent“, sagt er traurig.

Der 30-Jährige hofft, mit einem Diabetiker-Assistenzhund ein halbwegs normales Leben führen zu können. Mit einem treuen Aufpasser an seiner Seite, der ihn warnt, wenn Gefahr droht für Leib und Leben.

Ohne den tierischen Begleiter bleibt die Angst. Angst, abends einzuschlafen – und nie mehr aufzuwachen.


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